Reisende sind mobile Archive

Reisende sind mobile Arhive
Putnici su mobilne arhive / Bremen 2008
Einzelausstellung / samostalna izložba: Galerie / Galerija Roter Hahn 
Konzept / Koncept – Collage / kolaž Angela Ljiljanić
Text / Artikelausschnitte von der Freien Journalistin Catharina Oppitz
Fotos / Fotografija: © Michael Scheer
 
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Reisende sind mobile Archive

„Würde ich die Bagel, die ich in den letzten fünf Jahren gebacken habe, aneinander reihen, hätte ich doch bestimmt schon längst die Welt umkreist“, sagt Angela Ljiljanic und zeigt auf den Bildschirm, auf dem die nötigen Handgriffe gezeigt werden, die einen Teigballen zu einem runden Bagel werden lassen. Im Hintergrund läuft – in beinahe ohrenbetäubender Lautstärke – der Soundteppich der Backstube in Endlos-Schlaufe. Wäre es jetzt noch wärmer im Bauwagen und würde es nach Brot riechen, wäre das Backstuben-ambiente perfekt. Aber schließlich geht es bei der Installation der Bremer Künstlerin Angela Ljiljanic im Atelierhof Roter Hahn, die heute den letzten Tag zu besichtigen ist, nicht um eine naturnahe Rekonstruktion einer Bäckerei, sondern um die Auseinandersetzung mit den Archiven, die Reisende als ihre Erinnerung mit sich tragen. „Die Mehltüten habe ich alle verbacken“, sagt sie und zeigt auf die Regale, die sich entlang der Wände des Bauwagens ziehen. Während ihres Studiums begann Angela Ljiljanic mit dem Job in der Bäckerei. Sie sah sich schon schnell in der Zwickmühlesitzen: Die Zeit, in der man durch Nebenjobs den Lebensunterhalt finanzieren muss, fehlt für die eigentlichen Projekte des Lebens. Kurzum machte die damals angehende Künstlerin aus der Not eine Tugend und ließ die Tätigkeit am Ofen zum Spiegelbild ihrer Kunst werden. „Die Haltung hinter beiden Prozessen ist dieselbe“, sagt sie. Außerdem seien beide Prozesse denselben äußeren Faktoren unterworfen, nämlich Zeit, Bewegung und Wärme. Sowohl die Kunst als auch Brot werden anders, wenn sich auch nur eine dieser Koordinaten verschiebt. Diese Erinnerungen werden so zu reinen Metaphern des Lebens unterwegs, im Transit, mit nichts im Gepäck als das, was die Hände schaffen und der Kopf erdenken kann.

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